Die wichtigsten Punkte im Arbeitsvertrag: Das sollten Sie wissen
1. Vertragsart und Befristung
Ein zentraler Punkt ist die Frage, ob es sich um einen unbefristeten oder befristeten Arbeitsvertrag handelt. Achten Sie auf:
- Befristungsgrund: Sachgrund oder sachgrundlose Befristung
- Verlängerungsmöglichkeiten
- Schriftform der Befristung
Ohne schriftliche Befristung gilt der Vertrag automatisch als unbefristet.
2. Arbeitszeit, Überstunden und Pausen
Wichtige Aspekte sind:
- Wöchentliche Arbeitszeit und deren Verteilung
- Regelungen zu Überstunden
- Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft
- Pausenregelungen
Klauseln wie “Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten” sind nur wirksam, wenn sie klar definiert sind.
3. Vergütung und Zusatzleistungen
Prüfen Sie:
- Grundgehalt
- Zuschläge
- Bonusregelungen
- Sachleistungen
- Betriebliche Altersvorsorge
Variable Vergütungsbestandteile sollten eindeutig geregelt sein.
4. Urlaub und Sonderurlaub
Wichtig sind:
- Anzahl der Urlaubstage
- Übertragbarkeit
- Betriebsferien
- Sonderurlaub
Nicht genommener Urlaub verfällt nur, wenn der Arbeitgeber vorher darauf hingewiesen hat. Nach der Rechtsprechung des BAG (Bundesarbeitsgericht) muss der Arbeitgeber den Urlaub aktiv andienen, damit er verfallen kann. Tut er das nicht, verfällt der Urlaubsanspruch (auch nach vielen Jahren) nicht.
5. Kündigungsfristen und Probezeit
Achten Sie auf:
- Länge der Probezeit
- Kündigungsfristen
- Ausschlussfristen für Ansprüche
Ausschlussfristen sind besonders relevant, da sie bestimmen, wie lange Sie Zeit haben, Ansprüche geltend zu machen.
6. Wettbewerbsverbote und Nebentätigkeiten
Prüfen Sie:
- Meldepflichten für Nebentätigkeiten
- Wettbewerbsverbote während und nach dem Arbeitsverhältnis
- Karenzentschädigung
Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot ist ohne Entschädigung unwirksam.
7. Datenschutz und Geheimhaltung
Moderne Arbeitsverträge enthalten oft umfangreiche Datenschutz- und Verschwiegenheitsklauseln. Prüfen Sie:
- Welche Daten verarbeitet werden dürfen
- Welche Geheimhaltungspflichten bestehen
- Ob diese auch nach Vertragsende gelten
Typische Fallen in Arbeitsverträgen (und wie man sie erkennt)
Viele Arbeitnehmer übersehen Formulierungen, die später zu erheblichen Problemen führen können. Zu den häufigsten Fallen gehören:
Unklare Formulierungen: Begriffe wie “nach betrieblichem Bedarf” oder “in angemessenem Umfang” lassen viel Interpretationsspielraum. Solche Klauseln können dazu führen, dass Arbeitszeiten oder Aufgabenbereiche einseitig ausgeweitet werden.
Pauschale Überstundenabgeltung: Wenn im Vertrag steht, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind, muss klar definiert sein, wie viele Überstunden damit gemeint sind. Fehlt diese Angabe, ist die Klausel oft unwirksam.
Freiwilligkeits- und Widerrufsvorbehalte: Bei Boni oder Sonderzahlungen finden sich häufig Formulierungen wie “freiwillig” oder “jederzeit widerrufbar”. Diese können dazu führen, dass Sie keinen Anspruch auf wiederkehrende Zahlungen haben.
Unzulässige Ausschlussfristen: Manche Verträge enthalten extrem kurze Fristen, innerhalb derer Ansprüche geltend gemacht werden müssen. Zu kurze Fristen sind unwirksam, aber viele Arbeitnehmer kennen ihre Rechte nicht.
Praxisbeispiele: Ein Bonus wird plötzlich gestrichen, weil er angeblich freiwillig war. Oder Überstunden werden nicht bezahlt, weil der Vertrag unklare Formulierungen enthält. Solche Situationen lassen sich durch eine sorgfältige Prüfung vermeiden.
Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen: Was gilt für mich?
Viele Arbeitnehmer wissen nicht, dass Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen Vorrang vor dem Arbeitsvertrag haben können. Prüfen Sie daher:
Gilt ein Tarifvertrag? Ein Tarifvertrag kann gelten, wenn:
- Sie in einem tarifgebundenen Unternehmen arbeiten
- Sie selbst Gewerkschaftsmitglied sind
- Der Tarifvertrag im Arbeitsvertrag ausdrücklich einbezogen wurde
Tarifverträge regeln oft Urlaub, Gehalt, Zuschläge und Kündigungsfristen – häufig zugunsten der Arbeitnehmer.
Betriebsvereinbarungen: In Unternehmen mit Betriebsrat gelten zusätzlich Betriebsvereinbarungen. Diese können Themen wie:
- Arbeitszeitmodelle
- Homeoffice
- Urlaubsgrundsätze
- Schichtpläne
regeln und sind für alle Mitarbeiter verbindlich.
Was passiert, wenn der Arbeitsvertrag schlechtere Bedingungen enthält? In der Regel gilt das Günstigkeitsprinzip: Die für den Arbeitnehmer vorteilhaftere Regelung setzt sich durch.
Checkliste: So prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag richtig
- Ist die Vertragsart klar geregelt?
- Sind Arbeitszeit und Überstunden eindeutig definiert?
- Ist die Vergütung vollständig und transparent dargestellt?
- Sind Urlaubstage und Sonderregelungen nachvollziehbar?
- Stimmen Probezeit und Kündigungsfristen?
- Gibt es Ausschlussfristen?
- Enthält der Vertrag Wettbewerbsverbote?
- Gelten Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen?
- Sind Datenschutz- und Geheimhaltungsklauseln angemessen?
Fazit
Ein Arbeitsvertrag bestimmt maßgeblich Ihre Rechte und Pflichten im Berufsalltag. Wer die Inhalte sorgfältig prüft, erkennt Risiken frühzeitig, vermeidet spätere Streitigkeiten und schafft eine solide Grundlage für ein faires Arbeitsverhältnis. Wenn Sie einzelne Klauseln nicht einordnen können oder eine professionelle Einschätzung wünschen, können Sie gerne Kontakt zu mir aufnehmen, um Ihren Vertrag individuell prüfen zu lassen.



